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Volkshaus Podcast Bernd Rost

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Bernd Rost Foto: Michael Hesse

1977 war es so, dass es vom Weimar-Werk aus eine Kulturgruppe gab, die Karneval gemacht hat. Die hat man auch als Verein gezählt. Hieß Blau-Gelb Weimar. Und die haben ihren Karneval gemacht, und daneben existierte der Handwerker-Carnevalsverein, der von der Schärfe, von der Aussage her natürlich noch in einer ganz anderen Liga gespielt hat. Blau-Gelb war mehr so Volkskulturgut, okay, aber die elitäre Bevölkerung ging zum HWC. Karten wurden nie in der Öffentlichkeit irgendwo angeboten, die gab’s quasi nur unter der Hand, sonst nicht. So, jetzt kam der Oberbürgermeister — Kirchner war es, glaube ich, damals, 1976 — auf die Idee und sagte: „Mensch, was wäre denn, wenn die beiden Vereine mal zusammen was machen würden, das wäre doch toll!“

Wir hätten das jetzt nicht unbedingt gebraucht, die anderen fanden’s aber auch durchaus interessant, also musste eine große Location her, und da war das Volkshaus natürlich gut geeignet. Man hat da zwei Elferräte auf die Bühne gesetzt, von jedem Verein kamen Programmpunkte, und innerhalb dieser Kampagne, die über zwei, drei Wochen ging, hat also einmal der HWC auch eine eigene Veranstaltung gemacht, Blau-Gelb ebenfalls, und dann gab es auch zwei gemeinsame Veranstaltungen. Das hat man mal ausprobiert, danach haben wir gesagt: „Okay, aber wir machen das nächstes Jahr dann doch wieder alleine.“

Aus heutiger Sicht haben wir immer noch eine Träne im Auge, dass wir nicht mehr im Volkshaus sind. Inzwischen machen wir unsere Veranstaltungen ja in der Weimarhalle. Das hat Stil, das hat Größe, keine Frage. Aber die Gemütlichkeit, das Urige — auch die räumliche Enge des Volkshauses hat einen ganz eigenen Charme gehabt. Und da denken wir sehr gern dran zurück, an die Veranstaltungen, die meist auch immer ausverkauft waren. Das heißt, im großen Saal waren so 320 Personen, dann war der voll, die Ränge waren ebenfalls voll, dort hatten sie ja alle Möglichkeiten, das war aus meiner Sicht sowieso das absolute Highlight an diesem Haus. Die hatten Räume in allen Größen auf drei, vier Etagen, die man auch während des Karnevals nutzen konnte, die auch genutzt wurden, zu allen möglichen Sachen, und da hatten auch wir alle Möglichkeiten. Wir haben auch während des Jahres unsere Elferratssitzung dort gemacht, es wurde dort geprobt, also, es ist jetzt nicht nur so, dass wir zum Fasching die Veranstaltung dort gemacht haben und dort wirklich rauschende Feste gefeiert haben, das auch, aber es war ja auch eine Küche dort, man konnte dort auch vorzüglich essen, und dann gab es auch die eine oder andere Story, die in Erinnerung geblieben ist, positiv wie auch negativ. Ich fang mal mit dem Negativen an, das war eigentlich im letzten Jahr, in dem wir dort waren, 2002, als abends 300 Leute zur Veranstaltung gekommen sind und die Heizung aus war — und das im Februar! Kann man sich nicht rausreden, wenn sie aus ist, ist sie aus. Ich glaube, mich erinnern zu können, dass man’s irgendwie mit Fassung getragen hat und die Leute sich etwas übergezogen haben. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie das heutzutage wäre, wir hätten wahrscheinlich eine Woche später die Klagen auf dem Tisch.

Wo ich mal mit dabei bin. Es gab, glaube ich, in den 90er Jahren das berühmte Oberbürgermeisterduell zwischen Büttner und Germer und die hatten sich im Volkshaus, kurz vor der Stichwahl, noch einmal öffentlich getroffen. Der große Saal und alle Ränge waren bis auf den letzten Platz gefüllt, und die haben vorn gesessen und haben nochmal Fragen beantwortet und sich auch gegenseitig befragt. Und das hatte so ein … da war so ein Knistern im Raum, weil das wirklich ein Kopf-an-Kopf-Rennen war. Das fand ich total spannend, ganz Weimar ist dahin geströmt, das Volkshaus war voll.

Was hab’ ich vielleicht für Wünsche fürs Volkshaus? Dass der Name Programm ist, dass es wirklich ein Haus fürs Volk wäre. Eine Vision wäre ja eigentlich, wenn Vereine, Weimarer Vereine, dort ein- und ausgehen könnten, auch gegen eine vernünftige Miete. Dass sie dort ihre Versammlungen und kleinen Feste abhalten könnten, das wäre wirklich großartig, weil die Räumlichkeiten ja dort weltklasse gewesen sind. Jeder hätte da seine Räume mit Möglichkeiten, die genau passten. Das wäre schön, wenn das eines Tages mal wieder so sein könnte.