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Katharina Löschner Foto: Michael Paech

Liebe Leserinnen und Leser,

durch dieses Jahr gehen wir mit dem Jahresmotto „Zukunftsort vhs: Gemeinsam das Morgen gestalten“ des Deutschen Volks­hoch­schul­verbandes.

Volkshochschulen gibt es seit über hundert Jahren. Seither sind sie Orte des sozialen Austausches, der Weiterentwicklung, des Einstehens für persönliche Ziele und Rechte, Orte, an denen Fragenstellen und Antwortsuchen ausdrücklich erwünscht sind. Auch in Weimar machen die Kursteilneh­merinnen und Kursteilnehmer, Dozentinnen und Dozenten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Volkshochschule, indem sie neugierig und interessiert vorangehen, das Programm der Volkshochschule aus. Methodisch werden dazu zunehmend interdiszi­plinäre und partizipative Lernansätze zur Selbstorganisation und Selbst­bestimmung erprobt.

Wissen ist der breiten Bevölkerung heute zugänglicher als noch vor rund einhundert Jahren. Damals war die Gesellschaft durch eine Reichsregierung geprägt, die sozialdemokratisch geführte Vereine unterband. Volkshäuser boten diesen Vereinen gewerkschaftlich organisierte Räume, in denen die Interessen der Arbeiterverbände vertreten werden konnten. Sie forderten Zugänge zu Bildung und Kultur, Mitsprache- und Entscheidungsrechte über Krieg und Frieden sowie ein allgemeines Wahlrecht für Schuhmacher, Tischler, Heimarbeiter, Tabakarbeiter und Fabrikarbeiter, vor allem aber auch für Frauen ein. Die Jahrhundertwende war unter anderem ein Moment der weiblichen Emanzipation, indem sich Frauen politisch organisierten und in Lehrberufen tätig wurden.

Die vorliegenden Texte und Abbildungen bieten Ihnen Antworten auf Fragen rund um das Volkshaus Weimar. Dass dieses Projekt nach der Richtlinie Politische Bildung gefördert werden konnte, sei an dieser Stelle dem Thüringer Ministerium (TMBWK) gedankt, ebenso dem Thüringer Volkshochschulverband e. V. für die Zusammenarbeit im Rahmen des Landesprogramms DenkBunt (des TMBWK) sowie der Bildungsagenda NS-Unrecht, gefördert durch das Bundesministerium der Finanzen und die Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft.

Sie lesen Beiträge von Karen Büchner und Katja Fischer, Ronny Noak, Dr. Bernhard Post, Rita Seifert und Pierre Wilhelm. Audioaufnahmen sind in kurzen Auszügen transkribiert dargestellt. Die Materialien geben Ihnen auf verschiedene Art und Weise Einblick in die historische Entwicklung und Wirkung — zum einen — der Volkshäuser als europäisches, demokratisches Konzept und — zum anderen — des Volkshauses in Weimar.

Das Projekt schafft interdisziplinäre Schnittstellen. So wurde das Volkshaus zum Thema eines Podcast-Workshops, in dem Menschen über persönliche Erfahrungen mit dem Volkshaus berichten. Es wurde außerdem zum Motiv für Analog- und Digitalfotografie sowie Urban Sketching, dessen Ergebnisse das Deckblatt des Programmheftes für das Frühjahr 2026, Projekt-Flyer und die Projektbeschreibung auf der Webseite der Volkshochschule zieren. Auch ein Improvisationstheaterkurs bringt sich performatorisch zur Ausstellungseröffnung ein.

Ergebnisse der historischen Recherchearbeit und auch der Volkshochschulkurse werden kuratiert. Von den Ausstellungstafeln lassen sich QR-Codes mit dem Smartphone scannen. Alle Texte, Bilder und Interviews stellen wir zusätzlich im Internet auf der Projekt-Webseite volkshaus.vhs-weimar.de zur Verfügung. Hier können Sie außerdem die weiteren Projektentwicklungen, Ausstellungsorte und die Termine der geplanten Zukunftswerkstätten verfolgen, die Oberbürgermeister Peter Kleine in seinem Grußwort erwähnt.

Eine Dekade nach dem Bau des Volkshauses und ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Volkshochschule in Weimar gegründet. Dies geschah im Zuge der demokratischen Entwicklungen auf dem Weg in die Weimarer Republik.

Projekte wie dieses zum Volkshaus wollen demokr­a­tische Handlungskompetenzen sowie Verständigungs- und Dialog­fähigkeit aller Interessierten anregen. Es zeigt sich, dass Volkshochschulen eine Lernumgebung bieten, die selbstorganisiertes und projektorientiertes Lernen ermöglichen kann.

Vielen Dank an die Kolleginnen und Kollegen der Volkshochschule und an die Partnerinnen und Partner, die sich für das Gelingen dieses umfangreichen Projektes engagieren.