Podcast
Wir waren ja froh, dass
wir wieder was hatten.
Claus Peter Behlau ● Richter im Ruhestand
1967 zogen wir mit unserem Verein ins Volkshaus. Und zwar in einem hinteren Flügel im obersten Stockwerk, und da mussten wir uns am Anfang den Raum mit einem anderen Verein teilen. Und dann gab es da natürlich immer so ein bisschen Problemchen, wer hat wann wie was hinterlassen oder wer arbeitet jetzt weiter und so, na ja. Aber das löste sich irgendwann auf, da dieser Verein einen anderen Raum bekam, sodass sich unsere Leute ausbreiten konnten und jetzt nicht mehr TT, sondern eine H0-Anlage [Baugrößen für Modelleisenbahnen, die Verf.] dort bauten. Das ist de facto unterm Dach gewesen, aber offenbar waren damit alle zufrieden im Verhältnis zur Zeit davor.
Im Jahre 1975 fand eine größere Renovierung des Volkshauses statt und alles, was entbehrlich war, musste raus. Eine Modelleisenbahn ist entbehrlich. Also zusammenfalten und raus. Und es war nicht ganz klar, so wurde mir erzählt, wie lange die Renovierung wohl dauern würde. Naja, es zog sich jedenfalls hin, und als es dann irgendwo aufs Ende zuging, kam ans Licht, dass für uns eigentlich kein Platz mehr vorhanden sei. Damit waren die damaligen Akteure dieser Modelleisenbahn erstmal heimatlos.
Doch tatsächlich war es zum Jahresende 1992 möglich geworden, dass wir dort wieder einziehen konnten. Das hatte ich mit Bernhard Martin vom Männerkochclub verhandelt. Und genau mit dem habe ich dann am 28.12.1992 einen Vertrag gemacht. Und der Zufall wollte es — wir zogen wieder in dieselben Räume ein, aus denen wir damals in den 70er Jahren an die Luft gesetzt worden waren. Nun ja, also holten wir alles, was verwertbar war, aus dem Eisenbahnwaggon und von dem Dachboden, was aber nur ein Bruchteil unseres Materials war, weil — so groß ist es da oben nicht. Aber man war nach dieser langen Zeit heilfroh, endlich wieder vernünftige Räume zu haben.
Das war ein kleiner Flur, zu dem ging eine steile Treppe hoch, links ging’s in die zwei Räume, das war mal ein Archiv. Und dann war da noch ein anderer Raum, der war der Probenraum für eine Band. Und das waren schreckliche Tage, wenn wir zugleich unseren Clubabend machten und die probten. Das war nämlich Heavy Metal, da bebten die Wände. Aber wir waren ja froh, dass wir wieder was hatten. Jedenfalls war das für eine Weile in Ordnung, lief das alles in geordneten Bahnen. Nur wenige Monate später bot man uns einen neuen Vertrag an, aber diesmal nicht mehr unter dem Dach, sondern viel tiefer. Auf der Straßenseite, Südseite, 65 Quadratmeter. Also fast das Dreifache, was wir vorher hatten. Und mit Toilette sogar. Das war jetzt super und bedeutete natürlich wieder auseinanderschrauben von dem, was da oben stand. Als Grundstock und dann unten weiterbauen, verlängern, um die Ecke rum und so weiter und so fort. Also, wir wurden jetzt deutlich größer und komfortabler und die Fahrstrecken unserer Züge waren jetzt natürlich deutlich größer.
Allmählich merkte man jetzt aber, dass der Verfall im Hause gewisse Ausmaße annahm. Es gab zeitweise keinen Strom, der war abgeschaltet, wahrscheinlich weil niemand bezahlt hat, der wurde dann gesperrt. Und dann wurde das Gas nicht geliefert. Das ganze Haus stand kalt. Das macht natürlich keinen guten Eindruck, wenn man im Winter kommt, ahnungslos an seinem Club-Mittwoch, und alles ist eiskalt. Selbst die hinterlassenen Bierflaschen sind geplatzt. Klebstoff kannst du da nicht verwenden und Lust hat man bei den Temperaturen ja auch nicht. Das ging dann manchmal so ein paar Wochen, und mit einmal war wieder alles da. Bis es dann mal ein paar Wochen wieder wie vorher war.
Die öffentlichen Toiletten, die großen Toiletten im Haus, da lief das Wasser weg. Die sahen desolat aus. Zum Glück hatten wir eine eigene, die war noch ganz gut in Ordnung. Aber da wurde es uns insgesamt immer unsicherer, was das hier noch werden würde. Irgendwie schmolz unsere Lust allmählich auch dahin. Denn es waren ja so gut wie keine Vereine mehr im Haus. Die waren alle auf der Flucht.
Und vor allen Dingen waren wieder große Pläne im Gange. Es wurde auch gesagt, dass bauliche Maßnahmen anstehen würden, und das war ein Kündigungsgrund. Und auch in unseren Räumen war einer von so einem Projektierungsbüro mit einem Lasergerät, der hat Räume und Fenster vermessen. Also, es sah nach ernsthaften Bemühungen aus, dass da was passieren soll. Was aber nicht gleich heißen sollte, dass wir das Haus verlassen müssten. Denn die Kündigungsfrist, die wir bekamen, war ja nun auch relativ großzügig. Die war ein paar Wochen weit! Aber da haben wir gesagt, wir machen nicht weiter. Wir kämpfen auch nicht weiter drum. Wir akzeptieren das. Hinzu kam, dass der Altersdurchschnitt unserer Leute deutlich über 60 Jahre war.
Am 19.10.2006 kam die Kündigung und darin hieß der entscheidende Satz sinngemäß: „Eine Weiterführung ihres Hobbys nach dem 28.02.2007 ist unter den gegebenen Umständen des Bauablaufes eventuell möglich und mit dem Geschäftsführer abzustimmen.“ Eigentlich war der 28.7.2007 das Kündigungsdatum, aber jetzt zugleich ein Lichtblick, dass es vielleicht doch weitergeht. Aber da haben wir „nee“ gesagt. Und dann wurde die Anlage zerlegt. Eine Hälfte ging in den Grobmüll und die andere Hälfte landete bei Vereinsmitgliedern auf Dachböden und in Kellern. Und alle — und ich auch — haben sich eine eigene neue Anlage im Kleinformat gebaut. Und meine steht im Keller.