Podcast
Das übertragen
wir nach Weimar.
Dirk Böttcher ● Architekt, Konzertveranstalter, Gastronom, Moderator und Schallplattenunterhalter [DDR-Bezeichnung für DJ]
Es war damals ein Konzert mit „Engerling“, eine sehr gut befreundete Bluesband, geplant. Und da habe ich gesagt, dass ich jetzt eine größere Location brauche und habe mich darum gekümmert. Und da war der erste Schritt eigentlich der zum Volkshaus, weil das Luftlinie nur 300 Meter entfernt war. Letztendlich habe ich dann das ganze Haus gastronomisch selbst betrieben. Am Anfang habe ich auch noch eine Weimarer Fleischerei dabeigehabt, die das Catering gemacht hat. Das habe ich dann später auch selbst übernommen und habe also wirklich alles komplett selbst organisiert.
Also die Obergrenze an Gästen im Volkshaus lag nach meiner Erinnerung damals bei 800 Personen, das habe ich einige Male erreicht. Und angefangen habe ich — glaube ich — mit 400, 450 Leuten. Und das war eigentlich, muss ich dazu sagen, eine Geschichte, die ich mir von dem damaligen Beatnachtbetreiber aus Gotha, dem Herrn Woigk, abgeschaut hatte. Wir sind heute immer noch sehr befreundet und der macht das nach wie vor in Gotha. Und ich habe mir das dort einfach angeschaut und habe gesagt: „Das übertragen wir nach Weimar.“ Und er hat mir da auch unheimlich geholfen und hat mir da die ganzen Bands am Anfang vermittelt. Also, ich glaube, die ersten zehn Beatnächte hat er mir komplett die ganzen Bands zur Verfügung gestellt. Und mir war’s wichtig, dass auch immer wieder neue Bands dabei sind, dass es nicht immer die gleichen sind. Und ich habe sogar zwei Veranstaltungen gehabt mit internationalen Beat-Bands, also Ian & the Zodiacs und Lee Curtis. Die hatte ich beide dort und das waren schon wirkliche Highlights. Ich habe auch Veranstaltungen im kleinen Saal gehabt. Das war einmal das Konzert mit Dr. Feelgood, so einer Rockband aus England. Und dann noch die Buchlesung mit Klaus Voormann. Das waren so die Highlights eigentlich.
Klaus Voormann war ein Freund der Beatles. Also zu der Zeit, als die Beatles in Deutschland waren, da war er mit denen eng befreundet und hat auch immer wieder Kontakt zu denen gehalten. Er ist selbst auch Musiker und Künstler und er hatte damals ein Buch geschrieben. Ich kann mich jetzt an den Namen leider nicht erinnern. Und da hat mich damals die Thalia-Buchhandlung gebeten, dieses Interview zu führen. Das war für mich natürlich auch eine besondere Ehre. Wir waren dann anschließend auch noch bei mir in meiner Kneipe und haben dort noch zwei Stunden miteinander gesprochen. Und da habe ich so ganz viele tolle Sachen gehört über die Beatles und so — also für mich war das ein totales Highlight.
Das Problem im Volkshaus war, dass dort auch Diskotheken liefen. Das war im Jahre 2012, als ich dann wirklich aufhörte, dort Veranstaltungen zu machen. Dort wurde das … also es wurde einfach übertrieben, weil einfach zu viele Leute drinnen waren, und da ist natürlich ein Verschleiß da. Und die haben dann auch verschiedene Umbauten dort gemacht, die einfach nicht im Sinne des Gebäudes waren. Das Volkshaus wurde mit diesen Diskotheken runtergewirtschaftet und ich habe dann einfach die Lust verloren und habe gesagt, dass ich das nicht mehr möchte, und habe mich dann im Grunde umorientiert und war dann im Pionierhaus und habe dort weitergemacht. Mir hat einfach das Niveau nicht mehr gefallen. Und das Volkshaus wurde dann auch wirklich runtergewirtschaftet, weil dann eben nicht mehr 800 Leute drin waren, sondern 1500! Und da habe ich mich einfach davon distanziert. Liegt auch sicher daran, dass ich als Architekt auch eine gewisse Achtung gegenüber dem Gebäude habe.
Ich habe mir ja damals wirklich richtig Mühe gemacht. Ich habe die Pläne noch im Auto liegen, die werde ich jetzt mal kopieren. Ich habe die noch als Original auf Transparent und ich habe das damals im Grunde als Medienhaus durchgearbeitet. Radio Lotte, Salve TV und die Bauhaus-Uni und eben der Saal, dass der öffentlich zugänglich bleibt. Und das ist wahrscheinlich schwierig. Das mit dem Wohngebiet, das ist ja richtig, dass man dort laute Veranstaltungen eher nicht haben will. Aber man könnte Ausstellungen machen oder es gibt ja auch Vorträge, die man dort machen kann. Oder das Nationaltheater soll ja saniert werden, sodass die da vielleicht erst mal reingehen. Also ich denke, da gibt’s schon eine ganze Menge Nutzungsvarianten. Ist einfach nur eine Frage der Finanzen. Was kann die Stadt dafür ausgeben? Weil — da gehen ein paar Millionen weg.